Projekte

Studie zu Gewalt an Frauen in Oberösterreich

Ziel der Studie war es festzustellen, welche sozialen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen nötig sind, um Gewalt an Frauen zu verhindern bzw. nachhaltig zu beenden.

Eckdaten der Erhebung
Im Rahmen der Studie Gewalt an Frauen in Oberösterreich wurden 12 qualitative episodische Interviews durchgeführt, in denen Frauen über ihre Gewalterfahrungen und deren Beendigung berichteten. Ergänzt wurden die Interviews durch eine Fragebogenerhebung (zur Auswertung gelangten 38 Fragebögen), in denen vor allem auf die Unterstützung in der Krise eingegangen wurde.

Ergebnisse der Studie
Frauen, die durch eine nahe stehende Person Gewalt erlebten, befanden sich in einem permanenten Ausnahmezustand. Dieser machte es ihnen schwer bis unmöglich, Hilfe zu suchen, und auch Hilfe anzunehmen. Ihr Alltag bestand aus Angst, Kontrolle, physischer Gewalt und seelischer Misshandlung. Die interviewten Frauen sprachen von einem Leben im Schockzustand und von Handlungsunfähigkeit. Sie konnten nicht wahrnehmen, was mit ihnen geschah.

Die Frauen fühlten sich verantwortlich, empfanden oft Scham und hatten Schuldgefühle: Dazu kam mangelndes Wissen über die Rechtslage und über die Hilfsangebote. Die Mehrheit der interviewten Frauen wusste nicht, wohin sie sich wenden sollte, dachte „das ist nichts für mich“ bzw. konnte durch Unkenntnis ihrer Rechte vom Täter extrem unter Druck gesetzt werden, vor allem wenn es um die Obsorge der Kinder ging.

Betroffene von psychischer Gewalt standen vor einer noch größeren Herausforderung, da es noch schwieriger ist, diese Form der Misshandlung selbst als Gewalt zu erkennen. Die (scheinbare) Unsichtbarkeit von psychischer Gewalt verhinderte meist gänzlich einen Prozess der Hilfesuche. Selbst wenn die Frauen von Hilfseinrichtungen wie dem Frauenhaus wussten, fühlten sie sich nicht als Klientel. Dieses Problem erscheint umso gravierender, da viele Gewaltbeziehungen mit psychischen Formen der Gewalt (Einschüchterung, Demütigung, Abwertung, Kontrolle, etc.) beginnen und erst mit Fortdauer weitere Gewaltformen hinzukommen.

In der Krisensituation war es für die meisten Frauen nicht möglich, aktiv auf die Suche nach Hilfseinrichtungen zu gehen bzw. sich über die rechtliche Situation zu informieren. Hier ist es allerdings wichtig darauf hinzuweisen, dass die Frauen meist Jahre, manchmal sogar Jahrzehnte in einer gewalttätigen Beziehung lebten bzw. wieder Gewalt in der Partnerschaft erlebten, nachdem sie bereits in der Kindheit sexuell und körperlich misshandelt worden waren.

Rückblickend betonten die Frauen, dass es hilfreich gewesen wäre, bereits vorher über Rechte und Möglichkeiten der Hilfe und Unterstützung gewusst zu haben. Dabei machten die interviewten Frauen selbst konkrete Vorschläge, wie dies passieren könnte.

Wurden Frauenhilfseinrichtungen in Anspruch genommen (meist auf Initiative von Dritten), wurde die Hilfe von den interviewten Frauen ausnahmslos positiv bewertet. Zwiespältig war die Bewertung der Unterstützung durch andere Institutionen, wie z.B. der Polizei, dem Jugendamt oder dem medizinischen Bereich.

Projektleitung:
Dr.in Verena Kaselitz

Projektmitarbeiterinnen:
Mag.a Birgit Appelt
Mag.a Carla Schubert

Projektförderung:
Büro für Frauenfragen des Landes Oberösterreich
Sozialabteilung des Landes Oberösterreich

Kurzfassung der Ergebnisse (pdf)
Summary report (eng) (pdf)
Empfehlungskatalog (pdf)
Studienbericht (pdf)
 

Tagung "Gleichstellung in der erweiterten Europäischen Union" am 20. und 21. April 2007 am Institut für Osteuropäische Geschichte der Universität Wien

Ziel der Tagung war es, einen Ausblick auf Möglichkeiten, Chancen und Hindernisse einer künftigen Gleichstellungspolitik im europäischen Kontext zu geben. Es wurde vor allem auf die Situation in einigen neuen Mitgliedstaaten, wie Slowenien, Tschechien, Ungarn oder Bulgarien, aber auch in "alten" Mitgliedstaaten wie Deutschland, Frankreich und Österreich, eingegangen. Dazu wurde die bisherige EU-Gleichstellungspolitik im Lichte der nationalen Umsetzung, der eigenständigen Gleichstellungspolitik, der jeweiligen Geschichte der Frauen(rechts)bewegung sowie der aktuellen Situation von Frauen in den teilnehmenden Ländern im Rahmen eines interdisziplinären und transnationalen Austausches diskutiert.
Die Beiträge der Tagung erschienen 2008 im Peter Lang-Verlag (siehe Publikationen).

Projektleitung:
Mag.a Petra Ziegler und Dr.in Verena Kaselitz

Tagungsprogramm (pdf)

Gleichstellung zwischen Frauen und Männern in der erweiterten Europäischen Union

Im Rahmen des Projektes wurden Maßnahmen der EU zur Gleichstellung von Frauen und Männern sowie deren Implementierung in ausgewählten Ländern (Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Österreich, Slowenien, Ungarn) untersucht. Eigenständige nationale Maßnahmen zur Gleichstellung vor und nach 1989 sowie die Effektivität der EU-Vorgaben in den einzelnen Ländern wurden analysiert. Die Auswirkungen der EU-Vorgaben auf nationaler Ebene wurden für die verschiedenen Bereiche des Erwerbslebens erfasst . Ein Ziel war es festzustellen, welche Maßnahmen der EU in der Praxis erfolgreich waren und welche sich als wirkungslos erwiesen haben; daraus wurden Empfehlungen und Maßnahmen abgeleitet, die zu einer Verbesserung künftiger Gleichstellungspolitik führen sollen. Mit Hilfe von Interviews mit Expertinnen aus den zu untersuchenden Ländern sollte die Lebenssituation von Frauen seit 1989 untersucht werden, wodurch das bisherige Ausmaß der Gleichstellung erforscht werden sollte. Eine vergleichende Analyse der Umsetzung der EU-Vorgaben in den einzelnen Länder und der Entwicklungen seit der letzten Erweiterungsrunde im Mai 2004 bildeten den Abschluss.

Projektleitung:
Ass.Prof. Dr.in Iskra Schwarcz
Institut für osteuropäische Geschichte

Projektmitarbeiterinnen:
Mag.a Petra Ziegler
Dr.in Verena Kaselitz

Projektdauer:
Juli 2006 - September 2007

Projektförderung:
Jubiläumsfonds der ONB

Gewalt an Frauen in der Schwangerschaft

In einem Pilotversuch wurde das finnische Modell samt Screening-Instrument zur Identifizierung von Gewalt in intimen Beziehungen für den Einsatz in Geburtenstationen und Kinderwohlfahrtseinrichtungen in den Partnerländern getestet. Zu den Zielen des Projektes zählten die Umsetzung des finnischen Modells und die Recherche neuer Erkenntnisse aus der Forschung in Europa, die Weiterentwicklung des finnischen Modells, die Schaffung verbindlicher Richtlinien und Standards für die Arbeit in den genannten Einrichtungen und die Verbreitung der Ergebnisse in anderen europäischen Ländern.
Im Rahmen des Projekts wurden Daten mittels Interviews gesammelt, Erfahrungen ausgetauscht, Gesundheitspersonal geschult und multi-professionale Schulungen abgehalten. Zudem sollte die Kooperation zwischen staatlichen und nicht-staatlichen Einrichtungen gestärkt werden.
Ergebnisse des Projekts sind ein überarbeitetes Screening-Instrument und Arbeitsmodell für Geburtenstationen adaptiert für die jeweiligen Partnerländer sowie ein übersichtliches, informatives Handbuch für Gesundheitseinrichtungen in ganz Europa (siehe Publikationen).

Projektleitung:
Sirkka Perttu, Palmenia Centre for Continuing Education, Helsinki University

Projektmitarbeiterin:
Dr.inVerena Kaselitz

Projektdauer:
März 2005 - März 2006

Projektförderung:
Daphne II-Programm der EU-Kommission